Leitbild der Karoline-Breitinger-Schule Künzelsau
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Karoline Breitinger |
Karoline Breitinger - Leben und Wirken
Karoline Breitinger - Erste Ärztin Württembergs
Eine Frau kämpft um Gleichberechtigung
Künzelsau ist sogar mit der Geschichte der Emanzipation der Frau verbunden. Genau genommen durch den Kampf der Karoline Breitinger, die in diesem Städtchen geboren wurde. Am 4. Mai 1851 erblickte sie in Künzelsau als Tochter eines Kupferschmieds das Licht der Welt. Sie war die jüngste von sieben Geschwistern. Ihre Mutter starb leider schon, als sie knapp fünf Jahre alt war. Sie lebte als Heranwachsende bei einem Bruder in Salzburg und erbte 1871 von ihrem Vater die beachtliche Summe von 7.000 Gulden. Dieses Geld machte sie wohl in Männeraugen zu einer guten Partie, ermöglichte ihr aber andererseits die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Und für diesen ungewöhnlichen Weg sollte sie sich entscheiden.
Zunächst ließ sie sich zur Volksschullehrerin ausbilden und übte den Beruf bis 1886 in Österreich aus. In diesem Jahr bestand sie zwar die württembergische Staatsprüfung, so dass sie auch in ihrer Heimat unterrichten konnte. Aber sie kehrte nicht zurück, bildete sich offenbar weiter und legte 1889 in Zürich eine Zusatzprüfung in höherer Mathematik, Latein und Naturwissenschaften ab. Dies berechtigte sie dazu, an der dortigen Universität vier Semester Naturwissenschaften zu studieren. Danach von 1891 bis 1895 studierte sie Medizin in Bern.
1896 legte sie hier ihre Dissertation vor. Sie hatte das Thema "Über den Kindsmord im Kanton Bern". Sie beleuchtete darin medizinische, soziologische und juristische Seiten des Kindsmordes.
Nun wollte sie in ihrer alten Heimat als Ärztin praktizieren. In Tübingen und Heidelberg stieß sie auf Ablehnung. Im März 1897 eröffnete sie schließlich eine Praxis in Esslingen. Sie durfte ihren Beruf ausüben, wenn sie wie andere im Ausland approbierte Ärzte den ausländischen Ort der Promotion angab. Ohne die deutsche Approbation hatte sie aber immer wieder mit juristischen Problemen um ihre Anerkennung zu kämpfen.
Bereits im März 1896 wandte sie sich deshalb an die Universität Tübingen, um als Hörerin in den Staatsexamensfächern zugelassen zu werden. Dazu fehlten ihr jedoch das Reifezeugnis des deutschen humanistischen Gymnasiums, neun Semester Studium an einer deutschen Universität und die bestandene Vorprüfung für Ärzte. Auch bei weiteren Anträgen wurde ihr dieses immer vorgehalten.
Bis 1907 dauerten ihre Bemühungen, die deutsche Approbation zu erhalten. Dabei durchlief sie sämtliche Instanzen, machte Eingaben, ersuchte beim König um Audienz, richtete Gesuche an das württ. Innenministerium, an den Landtag und an den Reichstag. Zwischenzeitlich kam es durch verschiedene Bundesratsbeschlüsse zu einer verbesserten gesetzlichen Grundlage, die Karoline Breitinger wohl immer wieder Mut machte, sich weiter zu bemühen. Dennoch erfüllte
sie die Vorbedingungen auch da noch nicht, weil ihre Vorbildung wegen des fehlenden Abiturs nicht ausreichte.
1903 legte sie zum Beweis ihrer jahrelangen, vorwurfsfreien Praxis 1 400 Unterschriften von Esslinger Frauen vor. Aber sie scheiterte weiter. Erst 1907 erhielt sie in Elsaß-Lothringen ausnahmsweise die Zulassung.
So begann sie in Straßburg im Alter von 56 Jahren erneut zu studieren. 1908 legte sie die ärztliche Vorprüfung ab und 1909 machte sie das Staatsexamen. Während ihres Studiums arbeitete sie mit Albert Schweitzer zusammen und, es entwickelte sich eine Freundschaft. Bis 1911 arbeitete sie in verschiedenen Krankenhäusern und kehrte dann in ihre Praxis nach Esslingen zurück.
Beinahe 20 Jahre konnte sie dann noch in Esslingen praktizieren. Am 6. September 1932 starb sie im Alter von 81 Jahren. Esslingen und Künzelsau widmeten ihr jeweils eine Straße.
Wir bedanken uns herzlich für die Bereitstellung dieses Textes durch den Stadtarchivar der Stadt Künzelsau, Herrn Stefan Kraut. Das Foto unten zeigt ihn während seiner Rede zur Würdigung von Dr. Karoline Breitinger anlässlich der Namensgebungsfeier unserer Schule am 10. September 2008.
